Gedichte

Sagarmatha

Der türkisfarbene See
sehnt sich danach zum Ozean zu gehören
wie gefangen blickt er
in das blendend helle Gesicht des Everest.

Die Bergsteiger strömen aus der ganzen Welt
um ihre ermatteten Gesichter im reinen Licht
der kristallenen Augen Sagarmathas zu erkennen
bevor sie der Himmelsstirn gegenüber stehen.

-Yuyutsu R. D. Sharma-

 

Maultiere

Auf der großen tibetischen
Salzstraße trafen sie mich wieder,

alte verlassene Freunde…
In ihren Gesichtern Müdigkeit
eines trunkenen Schlafes,

ihre Leben verschlissen,
ihre Beine krumm und zitternd

vom Tragen berühmter Fahnen
blutiger Aufstiege.

Jahrhundertelang klingen für sie Glocken,
schwärend wie eiternde Wunden

Taktschläge der Sklaverei der Moderne:

Iceberg-Bierkartons, Mineralwassserflaschen,
Solarkocher, chinesische Kacheln, Blechdosen, Carom-Spielbretter

Reissäcke und jodiertes Salz
aus den Ebenen des nepalesischen Terai.

Schmetterlinge der Terrassenfelder
kennen ihre Namen.

Stürmisch singende Laubsänger
künden von atemberaubenden Aufstiegen.

Höllischste Wege
und unendlich erprobt, ihre Kletterei

Sie tragen Träume
der vornehmen Pfauen mit sich

Flugblätter
geheimer Religionskriege

Schund von sterilen Samen
eines Ökologen

ganze Küchen
für eine Cocktailparty im Basislager

antiquierte Lebensweisen
aus dem Tagesablauf schuldiger Wohltäter

des Westens quere Ansichten,
begierig nach baldiger Änderung.

Steinstufen
aus Bergen geprägt

in ihren betäubten Gehirnen
wie Linien abgelegter Liebe

zerkratzt an den historischen Felsen
der Wasserspeier.

Die sternenklaren Himmel
über den schläfrigen Tälern

wissen um die Schmerzen
ihres leidenden Geheimnisses.

Sonnige Tage
gleiten an den kristallklaren Flüssen

schmecken nach
Tränen ihrer blutenden Augen.

Heroischste Erzählungen
über Kämpfe des Lebens sind verloren

wie die Maultiere,
deren Hufe auf den Steinplatten beben

stetig sich im Kreise drehen
diese grausame Ehre

auf den blutigen, hungrigen
Maultierpfaden
um die Gletscher der Annapurnas.

-Yuyutsu R. D. Sharma-

 

Der Weg nach Helambu

Auf dem Weg
nach Helambu
speien dürre Kamine
aus Bhaktapur‘s erstickenden Ziegeleien
graues giftiges Gewölk,
gegen den blendenden Schnee von Mukut,
und von Ganesh Himal
- einer Klapperschlange gleich -
auf grüne Terrassen
auf den Glanz, auf den Ort der Freud.

-Yuyutsu R. D. Sharma-